Vanausbau trotz Schwangerschaft… eine gute Idee?
Eigentlich dachte ich, die Vorbereitung auf das erste Kind wäre schon Stress genug. Wickeltisch aufbauen, Kinderzimmer streichen, die ganze Liste eben. Aber meine Frau und ich hatten diesen Plan, die Elternzeit nicht auf dem Sofa, sondern in Südeuropa zu verbringen. Also stand da plötzlich dieser Fiat Ducato auf dem Hof, den ich in Rekordzeit ausbauen musste, während der Geburtstermin immer näher rückte.
Wenn jedes Gramm über die Reise entscheidet
Vorab: Beim Ausbau war das Budegt nicht der allererste Faktor, wir hatten ein bisschen gespart. Was uns aber nachts (schon jetzt :D) wachgehalten hat, waren: Die Zeit und das Gewicht. Wer einen Ducato vollpackt, mit Wassertanks, Batterien und drei Surfbrettern hantiert, landet schneller bei 3,5 Tonnen, als einem lieb ist. Wir wollten nicht bei jeder Polizeikontrolle in Frankreich zittern. Deshalb wollte ich von Anfang an keine schweren Baumarktplatten verbauen, sondern mich in der Yachtbranche bedienen. Deshalb haben wir frühzeitig das Team von Bootsholz mit eingebunden. Jedes Detail wurde hinterfragt, ob es nicht auch dünner oder aus leichterem Material geht.

Die Vorbereitung ist alles
Ich habe die Laube komplett leergeräumt und jeden Winkel geschrubbt, bis das Blech glänzte. Kleine Roststellen habe ich direkt abgeschliffen und mit Rostblocker versiegelt, weil man da später nie wieder rankommt. Danach kam die Hohlraumkonservierung mit der langen Sonde dran, damit der Bus von innen nicht wegfault, während wir am Meer stehen. Das Ausschneiden der Löcher für die Fenster hat mich echt Nerven gekostet, aber mit einer ruhigen Hand und ordentlich Dichtmasse ist es ganz okay geworden. Bei der Dämmung habe ich keine Lücken gelassen, um Schwitzwasser zu vermeiden und direkt danach die Leerrohre für die Elektrik eingezogen.

Der Boden und die Basis
Zuerst kam die Bodenplatte rein. Statt schwerer Siebdruckplatten habe ich mich für 8 mm Teak Stabdecksplatten entschieden. Klar das ist natürlich nicht billig, aber ich mag diesen maritimen Look aus meiner Seglerfamilie. Und es spart im Vergleich noch etwas Gewicht, da so dünn gewählt.

Für die Unterkonstruktion der Möbel, die nicht sichtbar ist, habe ich etwas genommen, das im Vanausbau noch wenig benutzt ist: Coosa Composite Nautical Platten in 15,88mm. Diese sind zwar deutlich teurer, als z.B. typisches Van-Sperrholz, aber locker 30% leichter, viel stabiler und lassen sich gut verarbeiten. Zudem haben sie eine viel geringere Wasseraufnahme und so gammelt euch die Laube nicht unter dem Hintern weg, wenn ihr mit hoher Luftfeuchtigkeit (Meer, Seen, Flüsse) konfrontiert seid.

Möbelbau mit Köpfchen
Die Schränke und die Küchenzeile mussten stabil sein, aber eben keine Tonnen wiegen. Ich habe hier teilweise mit typischem Van-Sperrholz in 15mm für die Unterkonstruktionen gearbeitet. Für die sichtbaren Elemente habe ich auf 6mm, 8mm oder 12mm Okoume Sperrholz zurückgegriffen, damit das Ganze nicht nach billigem Camper, sondern nach hochwertigem Innenausbau aussieht. Die sichtbaren Holzflächen habe ich dann mit Clou geölt. Die Kanten habe ich mit passenden Epoxy oder Rechteckleisten geschützt, damit die Feuchtigkeit beim Kochen keine Chance hat.

Surfboard-Rack und Babybett
Die größte Herausforderung war der Platz für die Boards und das Bett für den Kleinen. Das Surfregal habe ich so konstruiert, dass die Bretter sicher unter dem Bett verschwinden. Für die Liegefläche oben kam wieder Okoume zum Einsatz, weil das Zeug einfach extrem belastbar ist, auch wenn es mal feuchter wird im Bus. Das Kinderbett ist fest verbaut und so positioniert, dass wir vom großen Bett aus immer ein Auge auf den Nachwuchs haben.
Details im Innenraum
Damit es im Bus gemütlich wird, habe ich für die Tischplatte und kleine Akzente Eiche Vollholz genutzt. Es gibt dem Raum eine Wärme, die man mit Kunststoffoberflächen nie hinbekommt. Die Oberflächen habe ich nur leicht geölt, damit das Holz atmen kann. Das ist gerade im Van wichtig, wenn man bei Regen auch mal zu dritt drin hockt.
Fast bereit für die erste Tour
Aktuell montiere ich noch die letzten Leisten und kümmere mich um die Elektrik. Die Waage sagt, wir haben noch genug Puffer für Windeln und Proviant. Es war eine verdammt harte Zeit zwischen Geburtsvorbereitungskurs und Holzarbeiten, aber wenn ich jetzt in den Bus steige, weiß ich, dass es sich gelohnt hat.
Das meiste Material für den Ausbau habe ich bei Bootsholz geholt. Die Qualität dort ist eine ganz andere Hausnummer als im Baumarkt, besonders wenn man auf das Gewicht achten muss und trotzdem eine edle Optik will. Danke noch mal an das Team.
Steffen und Hannah, 33/34 aus Karlsruhe

